2.13 Ein Backupkonzept für den Netzwerkserver
 
Sie sollten sich unbedingt Zeit nehmen, um über ein Backupkonzept für Ihren Netzwerkserver nachzudenken. Betrachten Sie dieses Kapitel als Vorbereitung Ihrer Entscheidung. Es geht mir nicht darum, Ihnen ein fertiges Backup vorzusetzen. Das wäre Unsinn, denn ich kenne Ihre Infrastruktur nicht. Es geht mir vielmehr darum, Ihnen die Grundbegriffe zu erläutern. Die Entscheidung für das Programm und Ihre Strategie müssen Sie allein treffen. Eine gute englischsprachige Einführung in das Thema finden Sie im Internet auf der Seite http://www.tldp.org/REF/INTRO/Backup-INTRO/index.html.
2.13.1 Wozu Backup?
 
Ihre Daten lagen vor dem Netzwerkserver verstreut auf mehreren Clients. Eine Sicherung aller Clients ist sehr zeitaufwändig und technisch anspruchsvoll. Deshalb macht es auch kaum jemand. Sie haben auf dem Netzwerkserver nun viele Aufgaben zentralisiert. Im Idealfall liegen keine unersetzlichen Daten mehr auf den anderen PCs in Ihrem Netzwerk. Auf den Festplatten des Netzwerkservers liegen persönliche Daten und E-Mails, Nachrichten Ihres Anrufbeantworters oder heruntergeladene Dateien. Was passiert, wenn die (nicht gespiegelte) Festplatte dieses Servers ausfällt? Wenn Sie beim Gedanken daran Zahnschmerzen bekommen, sind Sie hier richtig: beim Backup.
Es sind nicht nur defekte Festplatten, die zum Datenverlust führen. In vielen Fehlerstatistiken liegt der Faktor Mensch noch vor der Hardware. Ein falsches Kommando und wichtige Daten können verloren sein. Wer aus Gewohnheit immer als root arbeitet, macht früher oder später leidvoll diese Erfahrung.
Ein weiterer Grund dafür, dass Sie ein Backup haben sollten, ist, dass Daten auch manipuliert werden können. In einem wichtigen Brief wird ein Absatz gelöscht und der Brief so gespeichert. Wochen später fällt Ihnen ein, dass der Absatz doch wichtiger sein könnte als ursprünglich angenommen. Glücklich ist der Mensch, der ein Backup hat.
Ein sehr unangenehmes Thema ist auch die mögliche Manipulation Ihrer Daten von außerhalb des LANs. Ein Teilnehmer im Netzwerk könnte beim Surfen im Internet einen Virus eingeschleppt haben. Infizierte Dateien würden Sie einfach mit nicht infizierten aus einer Sicherung überschreiben. Falls Sie einen Einbruch in Ihr System entdeckt haben, ist es außerdem ratsam, die Dateien auf der Festplatte mit den vor dem Einbruch gesicherten Daten zu vergleichen.
Im Internet finden sich eine Fülle von Free- und Sharewareprogrammen. Welches davon das richtige für Sie ist, müssen Sie selber entscheiden.
Stellen Sie sich beim Lesen dieses Kapitels bitte folgende Fragen:
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Welche Datenmenge muss gesichert werden? |
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Wie häufig (z. B. wöchentlich) sollten die Daten gesichert werden? |
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Welche Laufwerke und Sicherungsmedien stehen zur Verfügung? |
2.13.2 Backup
 
Einhundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Im Wesentlichen entscheiden Sie selber, wie ausfallsicher Ihr Server sein soll. Das bedeutet: Je mehr Gedanken Sie sich jetzt machen, desto schneller ist das System im Fehlerfall wieder aufgebaut.
Es gibt grundsätzlich zwei Arten der Sicherung: lokale Sicherungen und Sicherungen über das Netzwerk. Bei der lokalen Sicherung werden die Daten auf ein Laufwerk oder Medium am Netzwerkserver gesichert. Dabei kann es sich um ein Bandlaufwerk (z. B. DDS oder DLT), einen CD- oder DVD-Brenner oder auch eine andere Festplatte handeln. Die Sicherung von Daten in eine Datei auf der gleichen Festplatte ist natürlich nicht zu empfehlen, da bei einem Ausfall der Platte mit den Daten auch das Backup verschwunden wäre.
Netzwerksicherungen liefern die Dateien über einen anderen Netzwerkteilnehmer an ein dort angeschlossenes Gerät. Einige Freewareprogramme bieten die Sicherung in eine Netzwerkfreigabe eines anderen PCs an (NFS, Samba).
Nicht nur auf Sicherungslaufwerke können Sie über einen anderen PC im LAN zugreifen. Auch die Steuerung der Sicherung muss nicht lokal bleiben. Die Sicherungsdaten (wann wurde was wohin gesichert?) können auf diese Weise vom zu sichernden System ferngehalten werden. Sollte der Netzwerkserver also Daten verlieren, wären die Informationen über die Sicherungen unversehrt.
inkrementelle Sicherung
Wenn Sie größere Mengen relativ statischer Daten sichern möchten, sollten Sie bei der Wahl Ihres Backuptools darauf achten, dass inkrementelle Sicherungen unterstützt werden. In einer inkrementellen Sicherung werden nur die Dateien in die Sicherung einbezogen, die sich seit der letzten Vollsicherung oder der letzten inkrementellen Sicherung verändert haben.
2.13.3 Restore
 
Im Falle eines Restores (Zurückspielen der Daten vom Sicherungsmedium auf die Festplatte) sollten Sie sorgfältig und mit Bedacht arbeiten. Die meisten Backupprogramme bieten Ihnen die Möglichkeit, die betroffenen Dateien und Verzeichnisse einzeln auszuwählen. Andere Optionen können im Ernstfall sehr hilfreich sein. Mit der Option NO OVERWRITE werden nur Dateien zurückgespielt, die nicht mehr vorhanden - weil z. B. versehentlich gelöscht - sind. Alle anderen Dateien bleiben unberührt. Ob und welche anderen Hilfsmittel das Backupprogramm Ihnen bietet, erfahren Sie aus der Dokumentation.
2.13.4 Disaster Recovery
 
Wenn gar nichts mehr geht, hilft nur ein Disaster Recovery. Es ist denkbar, dass das Betriebssystem nicht mehr zu retten ist. Die Basis selber ist so in Mitleidenschaft gezogen, dass nur noch ein kompletter Restore der Partitionen hilft. Im Internet habe ich mehrere Tools gefunden, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Überzeugt hat mich das Programm Partition Image (http://www.partimage.org). Es wird bei KNOPPIX und siegfried mitgeliefert. Mit diesem Programm können Sie ein Image ganzer Partitionen erstellen (vgl. Abbildung 14.87). Im Moment der Sicherung sollte die Partition allerdings nicht eingehängt sein. Partitionen, die für das Betriebssystem absolut notwendig sind, können Sie dementsprechend nur nach einem Boot von der CD/DVD sichern oder restaurieren. Mit dem Kommando partimage --help erhalten Sie Hilfe zum Aufruf des Programms, der Aufruf ohne Optionen öffnet eine grafische Oberfläche. Eine genauere Dokumentation, auch zum netzwerkunterstützten Einsatz von Partition Image, finden Sie auf der Homepage des Projektes.
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